Pilgerflug nach Santiago

Idee

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Als wir im Herbst 2011 mit der Planung unseres Projekts „Pilgerflug“ begonnen haben, war keinem von uns genau bewusst, worauf wir eingelassen hatten. Grundlage dieses Gedankens war der historische Pilgerweg, welcher durch halb Europa führt und seit Jahrhunderten die Menschen in seinen Bann zieht.

Wir haben uns entschieden den traditionellsten Teil von Saint Jean de Pied de Port in Frankreich nach Santiago de Compostela im Norwesten Spaniens mit dem Paramotor zu fliegen und falls dies nicht möglich sein sollte, mit der kompletten Ausrüstung zu laufen – mit Motor, Schirm und Benzin über dreissig Kilogramm. Wir wollten auf diesen fast tausend Kilometern keinen Rekord aufstellen, kein Rennen gewinnen – wir wollten uns der Herausforderung stellen, unbekannte Gebiete zu befliegen, uns und unsere Fluggeräte an ihre Grenzen zu bringen und vor allem im Team Lösungen für alle Problem zu finden.

Wie die Pilger vergangener Jahrhunderte wollten wir unser Projekt im Sinne unserer Idee mit so einfachen Mitteln wie möglich realisieren. Jeden Tag neu entscheiden, wie und ob es überhaupt weitergehen kann. Dabei aber – trotz aller Widrigkeiten – nie das Bewusstsein und die Überzeugung verlieren, das Ziel Santiago de Compostela auch zu erreichen.

 

 

 

 

Weg

Wir hatten monatelang geplant, die Ausrüstung zusammengestellt, das Wetter entlang der Flugroute studiert – vieles wurde im Verlauf unseres Projekts relativiert. Wir fanden Flugbedingungen vor, die oft weit über dem fliegbaren Fenster unsere Fluggeräte waren. Starke Höhenwinde, unberechenbare und plötzlich einsetzende Thermik verlangte bei einigen Flugetappen alles ab. Die Flugrouten führten sowohl über heisse Hochebenen in der Meseta, wie hohe Berge in den Pyreneen und in Galizien. Die Startplätze waren oft sehr kurz und liessen kaum einen Fehler zu. Trotz alldem waren die Eindrücke wie Flüge über ein unendliches Nebelmeer oder ein Sonnenaufgang über dem Küstengebirge in Nordspanien unvergesslich.

Wir hatten eingeplant, dass circa zwanzig Prozent des Weges gelaufen werden muss. Zu Beginn war niemandem wirklich bewusst, was es bedeutet mit über dreissig Kilogramm auf dem Rücken über hohe und nebelverhüllte Pässe, heisse Landstrassen und enge Waldwege durch Städte und Dörfer zu laufen. Bis zum Ziel wurden es so über hundertfünfzig schmerzhafte und unendlich erscheinende Kilometer. Nach ein paar Kilometern wurde jeder Schritt zu physischen und psychischen Qual und nur ein eiserner Wille machte es schlussendliche möglich, das Ziel zu erreichen.

Die Tage waren für alle lang und anstrengend. Wir mussten fast jeden Tag vor Sonnenaufgang aufstehen um jedes fliegbare Fenster zu nutzen. Oft wurden am gleichen Tag noch zwanzig Kilometer und mehr bis tief in die Nacht hinein gelaufen oder notwendige Reparaturen an den Fluggeräten gemacht. Es blieb kaum Zeit für wirkliche Erholung und Müdigkeit wurde zu unserem ständigen Begleiter. Es war vor allem der Wille anzukommen, der uns nie aufgeben liess.

Trotz aller Strapazen, wir konnten so viel Positives uns Schönes erleben – Menschen, die sich gegenseitig helfen. Jeder sprach mit jedem, egal welcher Nationalität oder Gesinnung und alle hatten das gleich Ziel vor Augen – anzukommen.

 

Fakten

Projektstart / Datum Saint-Jean-Pied-de-Port / 03.07.2012
Projektende / Datum Santiago de Compostela / 25.07.2012
gelaufene Pilgerwegkilometer 156 km
geflogene Pilgerwegkilomer 770 km
Pilot Motorschirm Ales Hubacek
Pilotin Begleit-Paratrike / Begleitfahrzeug Hana Harencarova
Kameramann Dominik Müller
Begleitfahrzeug Filmdokumentation Werner Harbich

 

Motor ST-12
System 2-Takt, 120 ccm
Leistung PS max. 16
Untersetzung Riemen
Benzin 2.5%
Gewicht 22kg
Rahmen Titan
Tank 9.5 lt
Propeller 125 cm
Startgew. max. ca. 125 kg
Starter manuel
Gurtzeug Skyjam Freestyle`R

Fläche ausg. (m2) 20.67
Fläche proj. (m2) 18.67
Spannweite ausg. (m) 9.86
Spannweite proj. (m) 7.93
Streckung ausg. 4.7
Streckung proj. 3.46
Schirmgewicht (kg) 3.8
Abfluggewicht (kg) 45-125
Geschw. min. (km/h) 21
Geschw. trim (km/h) 35
Geschw. max. (km/h) 45/<60
Gleitzahl >7.5
Sinkrate (m/s) <1.2

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